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Bremen treibt sich selbst ins Mittelmaß
Von Kai Niels Bogena 3. Februar 2009, 01:42 Uhr
Bremen - Die Leistungen seiner Mannschaft schlugen Trainer Thomas Schaaf auf die Gesundheit. Schon am Sonntagabend, kurz nachdem Werder Bremen wegen einer desolaten Leistung 1:2 (1:1) gegen Arminia Bielefeld verloren hatte, sagte Schaaf: "Die Art und Weise wie wir gespielt haben, ist enttäuschend und macht mich krank." Gestern früh meldete sich der 47-Jährige dann mit einer Grippe ab, Co-Trainer Wolfgang Rolff leitete die Übungseinheit.
Nach dem überzeugenden Auswärtssieg über Borussia Dortmund im DFB-Pokal präsentierten sich die Hanseaten in einer erschreckenden Verfassung. Gegen die technisch limitierten Bielefelder, die nach 25 Misserfolgen erstmals wieder eine Partie in der Fremde gewannen, fehlte den Bremern alles, was eine potenzielle Spitzenmannschaft auszeichnet. Kaum Einsatz, wenig Wille, spielerische Ideenlosigkeit - die Bielefelder Tore durch Torben Marx (24.) sowie Artur Wichniarek (49.) fielen fast zwangsläufig. Für Werder traf nur Hugo Almeida per Freistoß (45.).
Es sollte alles besser werden für den Tabellenzehnten, der nach einer verkorksten Hinrunde optimistisch in die Rückrunde ging und mit einer Aufholjagd die erneute Qualifikation für die Champions League schaffen wollte. Aber die spielerischen und disziplinarischen Probleme auf und neben dem Platz schleppt Werder mit ins neue Jahr. Die Fans hofften auf neues Personal im Sturm sowie auf der linken Außenbahn, die Bremer aber verpflichteten in der Winterpause lediglich den griechischen Mittelfeldspieler Alexandros Tziolis, den sie bis zum Saisonende von Panathinaikos Athen ausliehen.
Die Passivität auf dem Transfermarkt scheint fatal, weil der Kader dringend eine Auffrischung braucht. Den Hanseaten sind aber die Hände gebunden, weil sie derzeit kaum Geld besitzen. Die Bremer haben ihren Kader in den vergangenen zwei Jahren im Unterhalt derart verteuert, dass sie momentan kein neues Personal kaufen können ohne sich zu verschulden. Kostspielige Vertragsverlängerungen für Spieler wie Torsten Frings, Diego, Naldo oder Clemens Fritz strapazieren die finanziellen Möglichkeiten so sehr, dass die Geldquellen des Klubs trotz fünfmaliger Teilnahme an der Champions League erschöpft sind. Topverdiener Frings und Diego sollen laut Schätzungen im Jahr jeweils rund vier Millionen Euro verdienen, insgesamt belaufen sich die Personalkosten offenbar auf etwa geschätzte 50 Millionen Euro jährlich.
Werder, sagt ein Geschäftsführer der WELT, besitzt einen der teuersten Kader der Bundesliga, ist aber gleichzeitig "das Cottbus des Nordens", weil auf dem Bankkonto keine Reserven lagern. Parallel bauen die Bremer gerade ihr Stadion für rund 60 Millionen Euro um - im Jahr 2010 soll der Ausbau mit zwei neuen Kurven, einem neuem Dach sowie neuen VIP-Zonen abgeschlossen sein. Zwar beteuert der Verein, dass kein Geld aus dem operativen Geschäft in den Umbau fließt, aber in Bremen mag das nicht jeder glauben.
Die Aussicht auf neues Geld beinhaltet wohl eine schmerzhafte Trennung. Denn erst, wenn der brasilianische Spielgestalter Diego im Sommer für 20 bis 30 Millionen Euro verkauft werden sollte, kann Werder wieder im großen Stil auf dem Transfermarkt aktiv werden. Bis dahin muss sich Trainer Schaaf mit seinem oftmals lustlosen Personal irgendwie durch die Saison retten und eine bereits jetzt enttäuschende Spielzeit sportlich fair und akzeptabel zu Ende zu bringen.
Konsequenzen für die in Ungnade gefallenen Spieler sind dennoch nicht zu erwarten, wie Manager Klaus Allofs klar stellte. "Wir werden jetzt nicht den Trainingsplatz verminen, um die Bedingungen für unsere Spieler noch schwerer zu machen."



