Stille Nacht

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Stille Nacht

Beitragvon abusimbel » 24.12.2007, 05:14

Der Nebel der letzten Tage und der Frost, haben eine traumhaft schöne Winterlandschaft gezaubert.
Die Bäume, Wiesen und Straßen glänzten in einem Schneeweißem Licht.
Eine Aura von Friede und Ruhe lag über den Straßen.
In den Fenstern leuchteten die Lichterketten und von Hier und Dort klang leise Weihnachtsmusik nach Draußen.

Die alte Frau war alleine Unterwegs. Sie konnte die Stille fast Körperlich fühlen.
"Oh, ist das schön" dachte sie bei sich. "So was habe ich seit Jahren nicht mehr gesehen.
Ja, damals als Hermann noch lebte, da hatten wir des öfteren weiße Weihnachten.
Was sind wir mit den Kindern Schlitten fahren gegangen und zum Eislaufen...
und was sie für Wünsche hatten aber wir haben sie ihnen meistens erfüllen können.

Als Hermann dann starb und ich alleine mit den Kindern war, sah es schon schwieriger aus.
Gut, das ich Arbeit hatte, so brauchten sie auf nichts zu verzichten.
Diese strahlenden Kinderaugen waren für mich Belohnung genug für alles Schuften und der Mühe die ich Tag täglich hatte.
Nun sind sie schon lange Groß. Petra wohnt in München, hat einen guten Job und darum auch kaum Zeit
sich mal zu melden und der Bernd, der hat auch seinen Weg gefunden.

Schade, das die Beiden nicht über Weihnachten hier sein können.
Aber der Weg von München ist auch zu weit hierher und die viele Arbeit die Petra hat, ich kann es verstehen.
Vielleicht kommt die Weihnachtskarte von Petra ja am 27. an. Die Post hat ja so viel zu tun gehabt.

Der Bernd, der kommt vielleicht nach den Feiertagen mal vorbei, sagt er.
Die Eltern seiner Freundin geben eine große Weihnachtsparty und da soll er dabei sein."

Die alte Frau kam am Marktplatz an und setzte sich auf eine Parkbank die von Bäumen gesäumt wurde.
Sie genoss den Blick, der sich ihr bot.
Wie Traumhaft das alles aussieht, dachte sie. Wie friedlich. Ach ja Hermann, siehst du wie schön es hier ist?
Bei ihrem in Erinnerung schwelgen, merkte die alte Frau nicht, das es immer kälter wurde.
Aus der Ferne hörte man die Kirchenglocken zur Weihnachtsmesse läuten
als die alte Frau still und friedlich auf der Parkbank einschlief.

Stille Nacht



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Re: Stille Nacht

Beitragvon lisana » 24.12.2007, 17:07

Eine wunderschöne, aber auch traurige Geschichte, Abu.
Erinnert mich ein wenig an das Märchen "Das Mädchen mit den Schwefelhölzern" von Hans Christian Andersen. Ich hatte eben Tränen in den Augen!!! Ich hoffe, dass die alte Frau in deiner Geschichte noch rechtzeitig aufgewacht ist ... und als sie nach Hause kam, waren ihre Kinder mit ihren Familien bei ihr und haben den Weihnachtsbaum geschmückt!!!

Du weißt doch sicherlich, wie die Geschichte von Andersen endet??? Ich konnte das als Kind schon nicht so gut verknusen :big_cry: :big_cry: :big_cry:
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Re: Stille Nacht

Beitragvon Nobby » 24.12.2007, 18:30

Märchen aus Dänemark


Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern,
Hans Christian Andersen

Es war ganz grausam kalt; es schneite und es begann dunkler Abend zu werden; es war auch der letzte Abend im Jahre, Silvesterabend. In dieser Kälte und in diesem Dunkel ging auf der Straße ein kleines, armes Mädchen mit bloßem Kopf und nackten Füßen. Ja, sie hatte ja freilich Pantoffeln angehabt, als sie von zu Hause wegging, aber was konnte das helfen! Es waren sehr große Pantoffeln, ihre Mutter hatte sie zuletzt benützt, so groß waren sie, und die verlor die Kleine, als sie über die Straße eilte, weil zwei Wagen so schrecklich schnell vorbeifuhren. Der eine Pantoffel war nicht zu finden, und mit dem andern lief ein Junge davon; er sagte, daß er ihn als Wiege benützen könne, wenn er selbst Kinder bekomme.

Da ging nun das kleine Mädchen auf den kleinen, nackten Füßen, die rot und blau vor Kälte waren; in einer alten Schürze trug sie eine Menge Schwefelhölzer, und mit einem Bund in der Hand ging sie dahin. Keiner hatte ihr während des ganzen Tages etwas abgekauft, keiner ihr einen kleinen Schilling gegeben; hungrig und verfroren ging sie dahin und sah so verschüchtert aus, das arme kleine Wurm! Die Schneeflocken fielen in ihre langen, blonden Haare, die sich so schön um den Nacken lockten; - aber an die Pracht dachte sie freilich nicht. Aus allen Fenstern leuchteten Lichte, und dann roch es da in der Straße so herrlich nach Gänsebraten; es war ja Neujahrsabend, - ja, daran dachte sie.

Hinten in einer Ecke zwischen zwei Häusern, das eine sprang ein wenig mehr in die Straße vor als das andere, da setzte sie sich hin und kauerte sich zusammen. Die kleinen Beine hatte sie hinaufgezogen unter sich, aber sie fror noch mehr und heimgehen durfte sie nicht, sie hatte ja keine Schwefelhölzer verkauft, keinen einzigen Schilling bekommen, ihr Vater würde sie schlagen. Und kalt war es auch daheim, sie hatten nur grade das Dach über sich, und da pfiff der Wind herein, obschon Stroh und Lumpen in die größten Spalten gestopft waren. Ihre kleinen Hände waren beinahe ganz tot vor Kälte. Ach, ein kleines Schwefelholz konnte gut tun! Hätte sie nur gewagt, eines aus dem Bund zu ziehen, es an der Wand anzustreichen und die Finger daran zu wärmen! Sie zog eines heraus. "Ritsch!" wie das sprühte, wie es brannte! Es war eine warme klare Flamme wie eine kleine Kerze, als sie die Hand darum hielt; es war ein wunderbares Licht! Dem kleinen Mädchen schien es, als säße sie vor einem großen Eisenofen mit blanken Messingkugeln und Messingtrommel; das Feuer brannte so herrlich, wärmte so gut; nein, was war das! - Die Kleine streckte schon die Füße aus, um auch diese zu wärmen, - da erlosch die Flamme. Der Ofen verschwand, sie saß mit einem kleinen Stumpf eines abgebrannten Schwefelholzes in der Hand.

Ein neues wurde angesteckt, es brannte, es leuchtete, und wie der Schein auf die Mauer fiel, wurde sie durchsichtig wie ein Schleier; sie sah ganz bis in die Stube hinein, wo der Tisch mit einem schimmernden weißen Tuch gedeckt stand mit seinem Porzellan, und herrlich dampfte die gebratene Gans, die mit Pflaumen und Äpfeln gefüllt war; und was noch prächtiger war, die Gans sprang von der Schüssel, wackelte über den Boden mit Gabel und Messer im Rücken, ganz hin zu dem armen Mädchen kam sie; da erlosch das Schwefelholz, und es war nur die dicke, kalte Mauer zu sehen.

Sie zündete ein neues an. Da saß sie unter dem herrlichsten Weihnachtsbaum, der war noch größer und noch mehr geputzt als der, den sie am letzten Weihnachtsabend durch die Glastüre bei dem reichen Kaufmann gesehen hatte. Tausend Lichte brannten an den grünen Zweigen, und bunte Bilder wie die, die die Ladenfenster schmückten, sahen auf sie herab. Die Kleine streckte beide Hände hoch, - da erlosch das Schwefelholz. Die vielen Weihnachtslichter stiegen höher und höher, sie sah, es waren nur die klaren Sterne, einer von ihnen fiel und bildete einen langen Feuerstreifen am Himmel.

"Nun stirbt da jemand!" sagte die Kleine, denn die alte Großmutter, die die Einzige war, die gut zu ihr gewesen, aber jetzt tot war, hatte gesagt: Wenn ein Stern fällt, steigt eine Seele empor zu Gott!

Sie strich wieder ein Schwefelholz an die Mauer, es leuchtete im Umkreis, und in dem Glanz stand die alte Großmutter, so hell, so leuchtend, so mild und gesegnet.

"Großmutter!" rief die Kleine, "oh, nimm mich mit! Ich weiß, du bist fort, wenn das Schwefelholz ausgeht, fort, wie der warme Ofen, der herrliche Gänsebraten und der große, prachtvolle Weihnachtsbaum!" - Und sie strich in Eile den ganzen Rest Schwefelhölzer an, die im Bund waren, sie wollte die Großmutter recht festhalten; und die Schwefelhölzer leuchteten mit einem solchen Glanz, daß es heller war als am lichten Tag. Großmutter war früher niemals so schön gewesen, so groß; sie hob das kleine Mädchen auf ihren Arm, und sie flogen in Glanz und Freude so hoch, so hoch! Und da war keine Kälte, kein Hunger, keine Angst - sie waren bei Gott!

Aber in der Ecke beim Hause saß in der kalten Morgenstunde das kleine Mädchen mit roten Wangen, mit einem Lächeln um den Mund - tot, erfroren am letzten Abend des alten Jahres. Der Neujahrsmorgen ging auf über der kleinen Leiche, die mit Schwefelhölzern dasaß, von denen ein Bund fast abgebrannt war. Sie hat sich wärmen wollen, sagte man; niemand wußte, was sie Schönes gesehen, in welchem Glanz sie mit der alten Großmutter zur Neujahrsfreude eingegangen war!

Quelle: Märchen von Hans Christian Andersen, Berlin 1910
Nobby
 

Re: Stille Nacht

Beitragvon abusimbel » 24.12.2007, 23:09

Ich hoffe, dass die alte Frau in deiner Geschichte noch rechtzeitig aufgewacht ist ... und als sie nach Hause kam, waren ihre Kinder mit ihren Familien bei ihr und haben den Weihnachtsbaum geschmückt!!!


Das wäre ein tolles Ende der Geschichte Lisa :big_ok:
Liebe Grüße Bild Mir gefällt es aber ;)

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