Probleme mit unserem Ältesten

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Probleme mit unserem Ältesten

Beitragvon Blockbuster » 10.03.2008, 07:57

Hallo alle zusammen,
ich wende mich an dieses Forum weil wir uns einfach mittlerweile keinen Rat mehr wissen, und auch nicht mehr wissen wer uns weiterhelfen kann. Ich hab das Thema unter Familie eingestellt, weil wir eine solch Familie sind, und weil ich das Thema keiner anderen Gruppe zuordnen konnte. Irgendwie fehlt hier die Gruppe Pubertät, oder hab Ichs übersehen?
Also mal kurz zur Familie. Ich bin mit meiner Frau, die einen damals 7J. Sohn hatte, vor knapp 8 Jahren zusammengekommen. Gekannt haben wir uns schon ewig und auch den Sohn kennte ich schon seit seiner Geburt und hatte in regelmäßigen Abständen auch Kontakt zu ihm. Er hat mich immer angehimmelt und wir haben uns auch immer gut verstanden. Auch nach dem ich dann mit meiner Frau zusammen war gab es bis auf kleine Eifersüchteleien, die für einen 7J. auch ganz normal und verständlich sind, keine Probleme. Wir waren von Anfang an eine kleine Familie, die dann auch mit und mit auch wuchs. Es kamen zwei Töchter nach die eine ist jetzt 6 und die andere 4. Zwischen der Geburt der beiden Töchter haben wir dann auch geheiratet und unser Sohn hat dann, wie auch meine Frau, meinen Namen angenommen. Ein größeres Haus musste dann auch her, in dem er auch ein wunderschönes Zimmer bekam. Also eigentlich von Patchwork nicht mehr viel zu erkennen. Und ich denke auch nicht, dass das das derzeitige Problem darstellt. Im Gegenteil, er hat diese ganzen Veränderungen immer sehr genossen, am meisten seine Geschwister. Die liebt er abgöttisch.
Jetzt aber mal zum Problem, er ist derzeit in der Hauptschule und besucht die 10B, die er auch von seinem Können her ohne Probleme bewältigen könnte. Durchschnittsnote im letzten Halbjahr war 2,5. Er hat sogar vor anschließend das Abitur zu machen. Ich hab ihm schon einen Praktikumsplatz besorgt und, und, und. Karneval haben wir ihn sich großzügig auf Partys austoben lassen, aber gestern sollte er dann auch mal wieder was für die Schule tun. Ich muss dazu sagen, dass wenn man nicht ständig mit der "Peitsche" hinter ihm steht würde er gar nichts machen. Nur ohne seine eigene Einsicht, was tun zu müssen, hat das nicht viel Zweck.
Gestern ist das dann so eskaliert, dass er anfing zu randalieren. Das war allerdings nicht das erste Mal. Gedeckten Küchentisch umschmeißen, teure Geräte von uns verstecken Altpapiertonne bei Sturm auskippen Türen knallen, meine Frau aufs übelste beschimpfen und zwar wären Sie heulend das Altpapier wieder von der Straße sammelte. Ich könnte noch weiter aufzählen, aber ich merk schon wieder wie mir der Puls hoch geht.
Irgendwann als ich auch Zuhause war kam er dann zurück und ging wortlos ins Esszimmer. Ich stellte Ihn zur Rede und habe ihm angeboten er solle mir erklären wie wir weiter machen sollen. Ich könnte das Gespräch jetzt noch detaillierter wiedergeben, aber Grundtenor von Ihm war: Ist mir sche***egal, ich hab eh kein Bock mehr auf Schule. Im Affekt schrie ich ihn dann an er wäre mir dann auch scheißegal und er soll gefälligst abhauen. Was er dann auch tat. Meine Frau, die in einem anderen Zimmer war wollte ihm gleich hinterherfahren als ich ihr erzählte was sich ereignete. Ich immer noch in Wut sagte ihr sie soll ihn laufen lassen, ich wollte ihn nicht mehr sehen. Außerdem wäre das ja fast was wie ein Schuldeingeständnis von unserer Seite aus.
Zu allem Überfluss hatten wir jetzt auch noch Streit. Ich setzte mich ins Wohnzimmer und bekam nach ein wenig Nachdenken Angst doch einen Fehler gemacht zu haben. Vor kurzem hat sich ein entfernter Bekannter von unserem Sohn umgebracht, unter anderem weil er Ärger mit seinen Eltern hatte. Ich gestand meiner Frau meinen Fehler ein und sie versucht ihn auf dem Handy zu erreichen. Nach drei von ihm abgebrochenen Telefonaten, wussten wir, dass er irgendwo mit dem Bus hingefahren ist und angeblich nicht mehr zurück kommt.
Wir haben in unserer Hilflosigkeit dann einen Freund von ihm angerufen und er meinte dann, "Ich mach das schon, ich red mal mit Ihm". Er kam dann tatsächlich auch irgendwann nach Haus und ging ohne uns zu sehen auf sein Zimmer. Über Nacht bekam meine Frau dann Schüttelfrost und hohes Fieber, sodass ich, nachdem ich die halbe Nacht wach gelegen hab, um 6 Uhr aufgestanden bin um Ihn zu wecken. Das tat ich auch wartete kurz ein ja von ihm ab und ging dann runter in die Küche um Pausenbrot für Ihn und die Mädels zu machen. Ich legte Ihm die Butterbrote auf seinen Rucksack, der im Flur stand. Irgendwann hörte ich dann, dass er durch die Haustür verschwand. Seinen Rucksack hat er mitgenommen und mein kleines Entgegenkommen zur Kriegsbeilbegrabung, das Butterbrot, hat er an eine Fensterscheibe geschmiert und hat die Haustüre offen stehen lassen.
Soweit die Geschehnisse bis jetzt. Ich sitz jetzt schon wieder im Büro und warte auf den nächsten Anruf von Zuhause, wenn er von der Schule kommt.
Ich hab keine Ahnung was wir weiter tun sollen. Strafe, Strenge, Verständnis. Wir kommen überhaupt nicht mehr an ihn ran. Diesen Freitag schreibt er eine wichtige Mathearbeit, wovon er definitiv einiges nicht kann. Üben wäre angesagt. In zwei Monaten macht er die zentrale Abschlussprüfung. Es geht jetzt echt um seine Zukunft. Und wir kommen nicht mehr an Ihn ran. Wer weiß schnelle Hilfe, wir sind total verzweifelt.
Gruß
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Re: Probleme mit unserem Ältesten

Beitragvon Nobby » 10.03.2008, 18:18

Wenn du deinen Rang als Leittier abgibst hast du verloren!
Diese Erpressungen laufen dann immer weiter.

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Re: Probleme mit unserem Ältesten

Beitragvon Ella » 10.03.2008, 20:16

Hallo Blockbuster,

die "Pupertisten" können die Eltern wirklich eine Masse Nervenstränge kosten!! Was du beschreibst, kenne ich mit meinem inzwischen 18jährigen Sohn auch so ähnlich. Oft war ich total verzweifelt.
Sicherlich sind die Vorkommnisse mit dem Altpapier, Türenknallen etc. jeweills gewesen, wenn ihr anderer Meinung wart als er, oder aber ihm etwas untersagt habe, oder um etwas gebeten?
Bei uns war es so. Selbst ein Tipp, doch eine wärmere Jacke an zu ziehen, konnte in schlimmen Phasen furchtbare Folgen haben.
Irgendwann war ich während so einer Phase so alle, dass ich nichts mehr sagte, eine Zeitlang wortlos seine familieninternen Jobs (Getränke besorgen, Recycling- Sachen zum nahen RC-Hof bringen) selber machte.
Das Essen fand zwar mit ihm statt, aber ich sprach ihn nicht an, um ihn nicht zu "nerven". Er nahm oft nicht am Gespräch teil.
Sein Zimmer habe ich in solchen Phasen nicht betreten. Wenn er die Wäsche nicht in den Wäschekorb getan hat, habe ich sie nicht gewaschen. Saubere Wäsche vor der Zimmertür abgelegt.
Klingt schrecklich, aber es wirkte deeskalierend.
Und: Bei uns lief es wirklich phasenweise ab - er war durchgehend so schlimm....aber oft!

Haltet die Ohren steif - Ihr schafft das auch!!

Liebe Grüße von Ella
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Re: Probleme mit unserem Ältesten

Beitragvon Ella » 10.03.2008, 20:21

Fälllt oft schwer, zu glauben, aber oft können die Teenager nicht richtig etwas dafür, dass sie sich so schrecklich benehmen!



Veränderungen des Gehirns während der Pubertät

Quelle:
New Scientist 2365, S. 16


Bisher hatte man geglaubt, bis zum fünften Lebensjahr sei die Myelinbildung im Zentralnervensystem nahezu abgeschlossen. Der Neurologe Jay Giedd (National Institutes of Health, Maryland) wies jedoch nach, dass das menschliche Gehirn zu Beginn der Pubertät einen regelrechten Wachstumsschub erlebt - vor allem im präfrontalen Cortex, in dem Impulse und Regungen gehemmt oder gesteuert werden. Myelin, das die weiße Gehirnsubstanz bildet, tritt im Lebensalter von zehn bis zwanzig Jahren um volle 100 Prozent mehr auf. Dieses Myelin hüllt die Axone ein, die langen Fortsätze der Nervenzellen im Gehirn. Die Nerven-Signale laufen dadurch 30 mal schneller - sie erreichen eine Geschwindigkeit von 100 Metern pro Sekunde. Allerdings hat diese Effizienz ihren Preis: Gehirnverbindungen sind nun starrer und nicht mehr so flexibel. Bei Kleinkindern ist das noch nicht der Fall. Deshalb haben sie nicht die geringste Schwierigkeit, Fremdsprachen zu lernen. Sie lernen Vokabeln und Grammatik quasi im Spiel. Der amerikanische Hirnforscher Harry Chugani fragt sich daher, warum sich Schüler erst in der kritischen Phase des Gehirns daran machen müssen, in der Schule Sprachen zu lernen. Die Hirnforschung sagt: eindeutig zu spät.

In der Pubertät wird auch der Corpus callosum verstärkt, der die linke und rechte Hirnhälfte verbindet. Der Hormonschub trägt zur Geschlechtsdifferenzierung auch im Gehirn bei, dass Knaben im Durchschnitt ein besseres räumliches Vorstellungsvermögen entwickeln. Die Zirbeldrüse schüttet das Hormon Melatonin in diesem Alter auch später am Tag aus, was erklären könnte, dass Jugendliche zum langen Aufbleiben neigen.

In einer Studie fand der Neurologe Robert McGivern (San Diego State University, Kalifornien), dass ungefähr ab dem elften Lebensjahr ein Umbau von Nervenverbindungen im Gehirn stattfindet. Diese Neustrukturierung des Gehirns - vor allem im Stirnhirn - könnte an den wechselnden Launen und Gemütslagen pubertierender Teenager Schuld sein. Damit verlören diese viel von ihrer Fähigkeit, die Gefühle anderer Menschen und soziale Szenarien einzuschätzen. Daraus resultiere Unsicherheit und Verwirrung in emotionalen Situationen, sodass Teenager gereizt und launisch reagierten. Erst mit etwa 18 Jahren erreiche das soziale Gespür wieder sein ursprüngliches Niveau. In der Studie wurden 300 Zehn- bis 22-Jährigen Porträts von Menschen gezeigt, deren Gesichtsausdruck beurteilt werden sollte. Kinder und Jugendliche in der Pubertät benötigten viel länger für ihre Einschätzung und machten häufiger Fehler. Der Umbau des Stirnhirns, in dem unter anderem moralische Erwägungen und impulsives Verhalten kontrolliert würden, sei eine mögliche Ursache typischen Teenager-Verhaltens. Jugendliche verarbeiten Reize aus der Außenwelt vermutlich ganz anders als Erwachsene und vor allem bei emotionalen Informationen reagieren Jugendliche eher aus dem Bauch heraus. Möglicherweise interpretieren Jugendliche die sorgenvolle Miene des Vaters als wütend und reagieren automatisch mit Aggression.
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Re: Probleme mit unserem Ältesten

Beitragvon vossibär » 11.03.2008, 21:42

Puh,

da haben wir aber doch Glück gehabt.

Obwohl ich sagen muss, dass ich damals beim Junior Nr. 1 arg streng war. Mein Männe und ich führten damals 10 Jahre eine Pendlerehe und ich musste zusehen, wie ich mit den Junioren klarkomme.

Das ging halt nur, wenn man darauf achtete, dass Richtlinien eingehalten werden. Wenn der Große aus dem Ruder lief, wurde er auf's Zimmer gescheucht. Ich hab' auch schon mal hier und da die Tastatur für den PC versteckt, bzw. die Kabellage für die Playstation, um ihn zur Raison zu bringen. Es krachte schon mal gehörig zwischen uns. Aber er ist Gottseidank nie handgreiflich geworden. Ich bekam heftig feuchte Augen vor lauter Erleichterung, als er mit 16 Jahren dann irgendwann mal fragte, als ich weg musste, ob er inzwischen staubsaugen solle.

Nr. 2 war da Spätzünder und hat uns alle so zwischen 18 und 20 durcheinander gebracht.

Na und die Kurze hat halt viel geheult während der Zeit, war ewig maulig aber auch die ist im Lot geblieben.

Ich kann dir mit eurem Junior nur raten, ggf. mal die Erziehungsberatungsstelle aufzusuchen, wenn ihr euch überlastet fühlt und ja auch zusätzlich Angst um den Junior habt. Mancher Berater kann dank Erfahrung und Ausbildung etc. einem sicher gut helfen. Mir hat eine derartige Institution damals geholfen, als Nr. 1 in den Kindergarten kam und als total introvertiertes Kind plötzlich dort und zu Hause arge Schwierigkeiten bereitete.

Ansonsten - doofer Wunsch - aber toi, toi, toi.

LG
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Re: Probleme mit unserem Ältesten

Beitragvon Blockbuster » 18.03.2008, 11:02

Danke für die lieben Antworten :big_ok: ,

Mittlerweile hat er seine wichtige Mathe Klausur geschrieben und zwar mit guten 11 Punkten :eusa_dance: ,letzte Woche hat er ein nettes Mädchen kennengelernt die er uns am Freitag vorgestellt hat und ich muss sagen das Mädel übt glaube ich echt einen positiven einfluss auf ihn aus.

Er ist jetzt zwar oft bei ihr aber wenn er mal bei uns ist, ist er wesentlich rughiger und sogar entspannter.

Ich komme sogar etwas an ihn herran und er offenbarte mir am Wochenende auch seine Probleme die er hauptsächlich in der Schule hat.

Ich kann nur beten das dieses Mädel ihn weiter zur vernunft bringen kann, aber wir sind auf dem besten wege.

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Re: Probleme mit unserem Ältesten

Beitragvon Nobby » 18.03.2008, 11:14

"Ich kann nur beten das dieses Mädel ihn weiter zur vernunft bringen kann, aber wir sind auf dem besten wege."

Jaja, die Frauen bringen uns Männer entweder um den Verstand oder sind ein Ansporn!

Ich drücke dir beide Daumen! :big_ok:

Nobby
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Re: Probleme mit unserem Ältesten

Beitragvon Steve Austin » 18.03.2008, 15:25

@Blocki:
Vielleicht macht es eurem Bengel jetzt etwas stolz, sein "Schatz" euch zu zeigen!
Wenn er sich nun auch (wieder) von einer anderen Seite zeigt, muß er wissen, dass er im Unrecht war, nicht ihr! Die Reichweite der Grenzen steckt ihr, den Weg bis zur Grenze muß er gehen!
Wenn die Freundin wirklich solch ein positiven Einfluß auf ihn hat, ist euch alle damit geholfen und darauf kommt es an!
Ich freue mich mit euch!
...and that's the bottom line - because Stone Cold said so!
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