Re: Diego Ribas da Cunha
von Steve Austin » 23.12.2008, 15:21
SPORT BILD-Reporter Torsten Rumpf mit Diego in Brasilien im exklusiv Interview
Print Ausgabe am 23.12.2008
SPORT BILD: Diego, vor Ihrem Winterurlaub in Brasilien und Mexiko wurden Sie zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres vom DFB wegen einer Tätlichkeit gesperrt. Warum haben Sie sich nicht im Griff?
Diego (23): In meinen Venen fließt Blut. Deswegen gehe ich mit Emotionen, Leidenschaft und einem großen Herz ins Spiel. Und ich will immer gewinnen. Vielleicht liegt es an der momentanen sportlichen Situation von Werder, dass ich zuletzt noch etwas emotionaler war.
Und sich zu einem Würgegriff gegen Karlsruhes Christian Eichner hinreißen ließen, wofür Sie bis zum 21. Spieltag in Cottbus Ende Februar aus dem Verkehr gezogen wurden. Ist die Strafe gerechtfertigt?
Meine Freude am Leben ist der Fußball. Deshalb ärgert es mich, dass ich für vier Spiele gesperrt wurde. Die Strafe ist aus meiner Sicht sehr hart.
Warum?
Ich habe keinem durch ein böses Foul geschadet. Aber in Deutschland ist das leider so, dass nicht der bestraft wird, der provoziert, sondern der darauf reagiert. Ich habe etwas gemacht, dafür gab es einen Grund.
Wie auch bei Ihrem Platzverweis am 23. Februar in Frankfurt?
Ja, damals hat mich der Gegner (Sotirios Kyrgiakos) erst gefoult, dann beleidigt.
Bremens Manager Klaus Allofs sagt trotzdem, Sie müssten lernen, Ihre Emotionen besser in den Griff zu bekommen. Das habe er Ihnen auch in einem Gespräch deutlich gemacht. Hat er recht?
Wir müssen alle lernfähig sein, das gilt für mich, für Klaus Allofs, auch für die Schiedrichter. Ich muss lernen, meine Emotionen zu bestimmten Zeitpunkten besser unter Kontrolle zu behalten. Aber die Schiedsrichter müssen auch die bestrafen, die mich provozieren.
Dennoch wurden Sie auch vom Verein bestraft - zu 20.000 Euro Geldbuße.
Die Strafe muss ich akzeptieren.
Mitspieler Torsten Frings sagte im NDR, dass solche Tätlichkeiten wie von Ihnen oder Claudio Pizarro beim Spiel in Karlsruhe das gute Image des Vereins kaputt machen würden. Schaden Sie Werder?
Im Fußball gehören Emotionen dazu. Wie mir ist es auch Mesut Özil und Claudio Pizarro passiert, die bestraft wurden. Ich würde der Mannschaft auch schaden, wenn ich ganz ohne Emotionen auf den Platz gehen würde.
Also werden Sie sich nicht ändern?
Nein. Nochmals: Ich muss nur meine Emotionen in einigen Situationen besser kontrollieren.
Wie lautet Ihre Hinrunden-Bilanz mit Werder?
Dass wir in der Champions League wieder in der Vorrunde gescheitert sind, ist sehr enttäuschend. Denn von der Klasse und von den Voraussetzungen hätten wir es schaffen müssen weiterzukommen. Und es wäre für die Weiterentwicklung der Mannschaft wichtig gewesen, im Achtelfinale oder Viertelfinale zu stehen und diese Erfahrung zu sammeln.
Aber auch in der Bundesliga stürzte Werder ab, ist nach der Hinrunde nur Tabellen-Achter.
Trotzdem sind noch 51 Punkte in der Rückrunde zu vergeben. Wenn wir eine Serie starten, ist mindestens noch die direkte Champions-League-Qualifikation möglich. Sogar Platz eins.
Wie bitte? Sind Sie ein Träumer, wenn Sie noch vom Titel reden?
Nein, das ist realistisch. Wenn die vor uns stehenden Mannschaften zweimal in Folge nicht gewinnen, wir dagegen schon, beträgt der Rückstand dann nur noch drei Punkte. Und wir sind wieder im Geschäft.
Was muss sich im neuen Jahr ändern?
Unser Hauptproblem war die fehlende Konstanz. Wir haben in der Bundesliga und der Champions League gegen die Großen exzellente Spiele gemacht. Jeder hat dann aber geglaubt, es geht einfach so weiter. Es hat nicht jeder mit der nötigen Hingabe gespielt, es fehlte der Einsatz. Erst als wir mit dem Rücken zur Wand standen, haben wir alles gegeben. Das reicht aber nicht, man muss sich in jedem Spiel reinhängen.
...and that's the bottom line - because Stone Cold said so!